Alter Messingleuchter – ein verborgener Schatz / Old Brass Chandelier – a hidden treasure


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Alter Messingleuchter

Bei meinen Recherchen zu Kronleuchtern in evangelisch-lutherischen Dorfkirchen der Oberlausitz stieß ich durch Zufall auf ein sehr altes Exemplar. Der Messingleuchter hängt nicht in der Kirche, sondern in der ehemaligen sogenannten „Kantorei“ von Waltersdorf, einem kleinen Dorf unweit Großschönau in der Oberlausitz (Abb. 1).

Abb_1_Alter_Messingkronleuchter

Abb 1

Es ist ein relativ kleiner, unscheinbarer Messingleuchter mit 6 Tüllen. Er ähnelt keinem der von mir bis dahin zwischen Zittau und Löbau untersuchten 38 Messingleuchtern. Als Bekrönung hat dieser Leuchter einen „Wilden Mann“, der in seiner rechten Hand ein Schwert, in der linken ein Schild hält (Abb. 2). Auf dem Schild eingraviert ist die Jahreszahl 1576, darunter die Buchstaben M H und ein Zeichen ähnlich

Abb 2

Abb 2

einem X oder zwei gegeneinander gekehrten Buchstaben E. Es könnte sich um die Initialen des Rotgießers, welcher den Leuchter hergestellt hat, handeln. Vielleicht wäre der Name oder das Zeichen im Verzeichnis der Nürnberger oder Lübecker Rotgießer zu finden? Der Leuchter hat einen unteren Abschluss in Form einer Löwenmaske, was in Kirchen der ganzen Oberlausitz wohl einmalig ist (Abb. 3).

Abb 3

Abb 3

Ähnliche Messingleuchter hat Erdmute Beate Mascher in ihrer Dissertation über Schaftkronleuchter aus Messing in Norddeutschen Kirchen 2004 beschrieben. Sie werden dort auch als Winkelarmkronen beschrieben und sind ebenfalls am Ende des 16. Jahrhunderts entstanden (siehe dort die Abbildungen 85 und 86).

Auch die Geschichte dieses Kronleuchters ist interessant. Sauppe schreibt, dass er ursprünglich im Rathaus von Zittau hing und von den Ratsherren – wahrscheinlich nach der Erweiterung der Waltersdorfer Kirche im Jahre 1657 deren Kollator der Zittauer Rat war, der Kirche geschenkt.

Gurlitt schreibt 1906, dass ein gleicher Kronleuchter mit derselben Kennzeichnung in der Kirche von Deutsch-Ossig bei Görlitz hängt. Diese Kirche musste dem Braunkohletagebau weichen, wurde zwar 1992 in Königshufen bei Görlitz wieder aufgebaut, der besagte Messingleuchter befindet sich dort aber nicht mehr.

Messingleuchter von 1738

Abb 4

Abb 4

Auch der zweite Messingleuchter der Kirche von Waltersdorf ist unter den Kirchenleuchtern der südlichen Oberlausitz eine Seltenheit (Abb. 4). Gespendet im Jahre 1738 vom Zittauer Ratsherren Hornicke trägt er 8 + 8 Kerzen in zwei Ebenen und wurde bis heute nicht elektrifiziert. Die s-förmigen Kerzenarme sind in den massiven Messingschaft eingehängt, zwischen ihnen befinden sich Zierarme. Die der oberen Ebene wurden mit kleinen Katzenköpfen (?) geziert. Auf den einfachen runden Tropftellern sitzen tonnenartige Tüllen. Sonderbar ist auch, dass die Tropfteller auf den Kerzenarmen nicht mittig sitzen, sondern seitlich.

Besonderheit dieses Kronleuchters ist seine Bekrönung. Auf der oberen kleinen Kugel sitzt breitbeinig Jupiter, auf seinem Kopf ein Adler (Abb. 5). Diese Anordnung ist wohl einmalig. Figuren von Jupiter und Adler sind aus einigen norddeutschen Kirchen bekannt (Adeliges Kloster Preetz [siehe Abb. 6], St. Bartholomäus in Wilster, Christkirche in Rendsburg). In allen Fällen sitzt aber Jupiter auf dem Adler. Wir gehen deshalb davon aus, dass bei einer der früheren Säuberungen des Leuchters die zwei Figuren vertauscht wurden und der Adler versehentlich auf dem Kopf von Jupiter landete.

 

Abb 5

Abb 5

Abb 6

Abb 6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

  • „Die Oberlausitz als besondere Abteilung von Sachsens Kirchen-Galerie“, Dresden 1840
  • Moritz Oskar. Sauppe: Die Parochie Waltersdorf, in: Neue Sächsische Kirchengalerie. Die Diöcese Zittau. Leipzig 1904, S. 428 ff.
  • Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Kunstdenkmäler des Königreich Sachsen, Amtshauptmannschaft Zittau, Dresden, 1906, S. 244 ff.
  • Erdmute Beate Mascher: Kronleuchter. “Lux ad illuminandas gentes“. Studien zu Schaftkronleuchtern aus Messing des 16. bis 18. Jahrhunderts in Norddeutschland, Diss. Univ. Kiel, 2004, URL: http://macau.uni-kiel.de/receive/dissertation_diss_00001433 (Zugriff am 20.5.18).

 

Harald Skala

Obercunnersdorf

English Translation:

 Old Brass Chandelier

During my research on Chandeliers in the Evangelic-Lutheran village churches in Oberlausitz, I came across a very old example. The brass chandelier does not hang in a church, but in a former so-called “Kantorei” (a place used for singing church hymns) in Waltersdorf, a small village close to Großschönau in Oberlausitz (Abb. 1).

It is a relatively small, unimpressive brass chandelier with 6 candles. It resembles none of 38 chandeliers that I have examined to date between Zittau and Löbau. As its crown, this chandelier has a “wild man” that holds a sword in his right hand and in the left, a shield. (Abb2) On the shield the year 1576 is engraved, unter this the Initials M H and a mark similar to a cross, or perhaps two E’s back-to-back. These could be perhaps the initials of the metal foundry that produced the lamp. Perhaps the name or the mark could be found in the list of the Nuremberg or Lübeck Foundries? The lamp finial in the form of a lion mask, which is probably unique in churches throughout the Oberlausitz. (Abb. 3)

Erdmute Beate Mascher describes similar brass lamps in her dissertation from 2004 on Northern German Church Chandeliers. They are also described there as angled-arm crowns and were also created at the end of the 16th century (see figures 85 and 86 in dissertation). The history of this chandelier is also interesting, Sauppe describes (in his book) that it was originally hung in the City Hall of Zittau and in 1657 was gifted to the church by the City Council, probably after the expansion of the church.

Gurlitt writes in 1906 that a similar chandelier with the same marks hung in the church of German-Ossig near Görlitz. Although this church had to give way to lignite mines, it was rebuilt in 1992 in Königshufen near Görlitz, but the brass chandelier is no longer there.

Brass Chandelier from 1738

The second brass chandelier of the church of Waltersdorf is also a rarity under the church chandeliers of southern Oberlausitz (Abb. 4). Donated in 1738 by the Zittau councilor Hornicke it features 8 + 8 candles in two levels and has never been electrified. The s-shaped candle arms are hung in the massive brass shaft, between them are ornamental arms. The upper level was adorned with small cat’s heads (?). Tubular spouts sit on the simple round drip plates. It is also strange that the drip plates are not centered on the candle arms but sit laterally.
A special feature of this chandelier is its crown. Jupiter is sitting straddling the small upper ball with an eagle on his head (Abb. 5). This arrangement is probably unique. Figures of Jupiter and an eagle are known from some northern German churches (noble monastery Preetz [see Abb. 6], St. Bartholomew in Wilster, Christ Church in Rendsburg). In all cases Jupiter sits on the eagle. It is to be assumed therefore, that in one of the earlier maintenance undertakings of the chandelier, the two figures were reversed and the eagle accidentally landed on the head of Jupiter.


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