Eva-Maria Kreuz – Licht und Glas in historischen und modernen Sakralräumen seit Beginn der Elektrifizierung


Die Faszination, die das elektrische Licht ausübte, ist heute noch nachzuvollziehen. Kerzen und auch Öl konnten jahrhundertelang nur in aufrechter Brennstellung eingesetzt werden. Mit Beginn der Elektrifizierung gab es die Möglichkeit, Glühlampen hängend, schräg nach unten gerichtet, schräg nach oben gerichtet oder waagerecht anzuordnen und damit völlig neue Leuchten für Kirchen zu entwerfen. Die Leuchtmittel konnten offen gezeigt oder mit Gläsern in den unterschiedlichsten Formen umhüllt werden: mit gläsernen Zylindern, Kelchen, Kelchen mit Wellenrand, offenen oder geschlossenen Kugeln, Zapfen, Schalen, Flammen oder Laternen. Das Glas konnte klar, mattiert, teilmattiert oder farbig sein. Die neuen Leuchtmittel boten schier unendliche Möglichkeiten, neue und andere Leuchten für Kirchen zu entwickeln.


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·          Leuchte mit hängenden Lampen: Augsburg Zum Heiligsten Herz Jesu 1910, Messingleuchtengehänge mit Glaskugeln und farbigem Glasschmuck, ursprünglich bestückt mit klaren Glühlampen

·          Zapfen: Reichenbach/Fils Mauritiuskirche 1907, Deckenleuchte Glas satiniert mit Messingbaldachin

·          Kelch mit Wellenrand: Dortmund-Marten Immanuelkirche 1908, Pendelleuchte mit satiniertem Glas, dazu passend Wandleuchten

·          Flamme oder Blütenkelch: Hamburg St. Michaelis 1912, dreiflammige Wandleuchte mit satiniertem Glas

·          Zapfen: Stuttgart-Gaisburg Stadtkirche 1913, Messingwandleuchte mit satiniertem Zapfen, Architekt Martin Elsässer

 

Bild 2

·          Kugel: Bad Urach Amanduskirche, elektrische Bogenlampe 1901, Kugel aus opalisiertem Glas glänzend

·          Schale: Olten St. Martin 1912, Pendelleuchte mit Schale aus Opalglas glänzend

·          Laterne: Mannheim Christuskirche 1911, Pendelleuchte aus Messing mit Scheiben aus Opalglas, dazu passend große Reifenkrone

·          Laterne: Esslingen Südkirche 1929, Messingwandleuchte mit satinierten Scheiben, Architekt Martin Elsässer

·          Laterne: Baienfurt St. Mariä Himmelfahrt 1927, expressionistisch gestaltete Pendelleuchte mit Strukturglas, Architekt Otto Linder


Seit 25 Jahren entwickeln wir ebenfalls gläserne Leuchten für Kirchen. Drei Typen lassen sich bei den Entwürfen unterscheiden: scheibenförmige, zylinderförmige und kelchförmige Leuchten und diese wiederum aus klarem Glas, teilmattiertem Glas, mattiertem Glas, glänzendem oder seidenmatten Opalglas sowie Acrylglas.

Bild 3

·          Scheibe oder Glasflügel: Koblenz St. Elisabeth, Pendelleuchte aus teilsatinierten Glasscheiben, bestückt mit 4 x AGL 75 W klar und Reflektor mit NV-Halogen 75 W, beide getrennt schaltbar und dimmbar

·          Zylinder: Sinsheim Stadtkirche, zylindrische Pendelleuchte, äußerer Leuchtenzylinder klar, innerer Zylinder Acryl satiné, Reflektor bestückt mit QT 32 250 W, dimmbar, im satinierten Zylinder 3 x TC-L 24 W, getrennt schaltbar

·          Kelch: Böckingen Auferstehungskirche , kelchförmige Pendelleuchte mit glänzendem Opalglaskelch, mittiger Reflektor bestückt mit QT 32 250 W dimmbar, im Kelch 3 x Halopin 40 W, getrennt schaltbar

 

Beispiel Glasflügel: St. Georg Wilsingen – Beleuchtung einer barocken Kirche

 

Die barocke Kirche St. Georg, die in ihrer heutigen Form aus dem 17. Jahrhundert stammt ist reich ausgestattet mit einem prächtigen Hochaltar aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert, zwei Seitenaltären, Deckenfresken und einer Kanzel, geschmückt mit einem musiziernden Engel auf dem Kanzeldeckel. Das Kirchenschiff ist mit vier filigranen Glasflügelleuchten beleuchtet, die mit vier Halogenglühlampen den barocken Raum erhellen und mit einem kleinen Reflektor gerichtetes Licht in die Bankreihen abgeben. Die teilweise sandgestrahlten Glasflügel greifen den Schwung und die Leichtigkeit der barocken Ausstattung der Kirche auf und schirmen die Halogenglühlampen gegeneinander ab. Beide Lichtkomponenten sind getrennt schaltbar und dimmbar.

 

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Beispiel Zylinder: Gläserne Leuchten für St. Anna Beutelsbach

 

St. Anna in Beutelsbach wurde im Zuge der Innenrenovation mit zehn Glaszylinderleuchten ausgestattet. Die Leuchten sind mit einer dimmbaren LED 45 W bestückt, die in einem breitstrahlenden Reflektor das Gestühl und den Altarbereich mit gerichtetem Licht beleuchtet. Drei Kompaktleuchtstofflampen TC-L 24 W/830 im oberen Zylinderteil erhellen die weißen Wände und die lichtgrau lasierte Decke mit diffusem Licht. Der Glaszylinder hat einen Durchmesser von 250 mm und eine Höhe von 520 mm, der innere Zylinder aus Acryl satiné einen Durchmesser von 200 mm.

 

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Beispiel Kelch: St. Clemens Stuttgart-Botnang

 

St. Clemens wurde 1933 von Hugo Schlösser erbaut. Die Architektur der Kirche ist typisch für die dreißiger Jahre. Ihre Gestaltung stellt die Struktur des regionalen Materials – eingefärbter Kalkputz, Betonwerkstein, Cannstatter Travertin, Pflasterklinker, Kupferblech, Fichtenholz – heraus. Sie zeigt die für die dreißiger Jahre kennzeichnende Wärme in der Farbigkeit der Raumschale und der Außenhaut. St. Clemens war, wie in den dreißiger Jahren üblich, mit paarweise gehängten Kugelleuchten aus glänzendem Opalglas beleuchtet. Die neuen Leuchten aus glänzendem Opalglas nehmen die paarweise Anordnung dieser Leuchten auf, sind aber nicht mehr zwischen den Pfeilern angeordnet, sondern mittig über den Bankreihen. Die Reihe der Pendelleuchten setzt sich aus dem Schiff im Chorraum fort und betont die Einheit der um den Altar Versammelten, die gemeinsam im gleichen Licht Gottesdienst feiern. Die Leuchten haben einen Reflektor, der das Licht in das Gestühl richtet. Der Opalglaskegel ist zusätzlich von innen erleuchtet, sein diffuses Licht erhellt die Hochschiffwände. Das nach unten gerichtete Licht kann gedimmt werden. In einem Bussystem mit integrierter Lichtsteuerung sind 18 Lichtszenen programmiert, so daß jeder Gottesdienst in angemessenem Licht gefeiert werden kann.

 

Bild 6

Eva-Maria Kreuz

Kontakt: kreuz(at)kreuzundkreuz.de

Webseite: www.kreuzundkreuz.de

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